5. September: 61 Jahre Pariser Vertrag
05.09.2007
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Selten wurde ein Abkommen derart unterschiedlich bewertet, selten war man sich über ein Abkommen so lange nach dessen Unterzeichnung uneinig, was dieses Abkommen letztendlich gebracht hat. Selbst darüber, ob es sich hierbei um ein Abkommen, einen Vertrag oder überhaupt nur um ein gentlemen’s agreement handelt, ist man sich uneinig.
Fest steht, dass das Pariser Abkommen als ein Abkommen in die Geschichte Südtirols eingegangen ist, das Südtirol wenigstens die Autonomie gebracht hat, nachdem den Südtirolerinnen und Südtiroler die Selbstbestimmung von den Großmächten nicht zugestanden worden war. In dem Abkommen sind Grundsätze und somit eine Basis des Minderheitenschutzes verankert, auch wenn die Umsetzung dieser Grundsätze schwer erkämpft werden mussten, so Stocker.
Viele hatten sich vom Vertrag selbst mehr erhofft. Es ist aus heutiger Sicht natürlich leicht, die damals erzielten Resultate zu kritisieren, so Stocker. Doch darf man die Umstände und Hintergründe der damaligen Zeit bei der Bewertung der Geschehnisse nicht außer Acht lassen: Südtirol selbst war aufgrund von Krieg und Option, wirtschaftlich und vor allem als Volksgruppe geschwächt. Österreich war zu dieser Zeit kein freies Land und als Verhandlungspartner dementsprechend geschwächt. Italien hatte für die Westmächte zu jener Zeit den eindeutig höheren Stellenwert als Österreich. Man war bemüht, Italien im westlichen Lager zu halten.
Aus historischer Sicht ist es für Stocker natürlich interessant, den Pariser Vertrag und seine Hintergründe und Folgen zu bewerten. Aber was die Botschaft für den 5. September heute sein sollte: Wir dürfen auf keinen Fall, was wir als Minderheit erreicht haben, als Selbstverständlichkeit hinnehmen.
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